{"id":81704,"date":"2011-05-14T16:31:06","date_gmt":"2011-05-14T15:31:06","guid":{"rendered":"https:\/\/vorschau.kunstverein-bad-salzdetfurth.de\/inhalt\/?p=81704"},"modified":"2019-08-18T11:37:29","modified_gmt":"2019-08-18T10:37:29","slug":"ballen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kunstverein-bad-salzdetfurth.de\/inhalt\/2011\/05\/14\/ballen\/","title":{"rendered":"\u00bbballen\u00ab"},"content":{"rendered":"<div class=\"wpb-content-wrapper\"><p>[vc_row][vc_column width=&#8220;1\/2&#8243;][vc_gallery el_id=&#8220;gallery-710405&#8243; isotope_mode=&#8220;vertical&#8220; medias=&#8220;81705&#8243; gutter_size=&#8220;5&#8243; media_items=&#8220;media|lightbox|original,caption&#8220; screen_lg=&#8220;1000&#8243; screen_md=&#8220;600&#8243; screen_sm=&#8220;480&#8243; single_text=&#8220;under&#8220; single_width=&#8220;6&#8243; single_overlay_opacity=&#8220;1&#8243; single_padding=&#8220;2&#8243; lbox_caption=&#8220;yes&#8220;][\/vc_column][vc_column width=&#8220;1\/2&#8243;][vc_column_text]Malte L\u00fcck<\/p>\n<p>eine Aktion\/Performance mit Installation.<\/p>\n<p>14.05. \u2013 22.05.2011<\/p>\n<p>im Kunstgeb\u00e4ude Schlosshof Bodenburg<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/vorschau.kunstverein-bad-salzdetfurth.de\/inhalt\/product\/ballen\/\">Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.<\/a>[\/vc_column_text][vc_custom_heading heading_semantic=&#8220;h3&#8243; text_size=&#8220;h3&#8243;]\u201eDas Leben ist naturgem\u00e4\u00df niemals leicht.\u201c[\/vc_custom_heading][vc_column_text](Albert Camus, Le Mythe de Sisyphe, 1942 )[\/vc_column_text][vc_custom_heading heading_semantic=&#8220;h4&#8243; text_size=&#8220;h4&#8243;]Formwerdung eines plastischen Gegenstandes aus der Vogelperspektive betrachtet [\/vc_custom_heading][vc_column_text]Zur Versuchsanordnung:<\/p>\n<p>Das Video beginnt mit einem oszillierenden, waagerechten blauen Lichtstreifen, in dessen Mitte sich eine schwarze rechteckige Fl\u00e4che verdichtet; sehr bald endet diese Sequenz mit einem Schnitt, und der Blick wird freigegeben auf eine Art B\u00fchne.<\/p>\n<p>Vor dem Zuschauer liegt auf unz\u00e4hligen, am Boden ausgelegten Gummib\u00e4ndern der K\u00fcnstler auf der rechten K\u00f6rperseite in leicht gekr\u00fcmmter Haltung mit angewinkelten Beinen. Ganz in Wei\u00df gekleidet hebt er sich vom Untergrund ab, das von rechts einfallende Licht wirft einen breiten Schatten zur linken Seite. Das unscharfe Bild l\u00e4sst keine genaue Fokussierung zu, das Gesehene muss in Relation zum Erkennbaren gesetzt werden, verst\u00e4rkte Aufmerksamkeit ist gefordert.<\/p>\n<p>Nach kurzer Zeit bewegt sich der am Boden liegende Mensch in einer leichten Drehung zur Linken, greift mit der Hand in das Meer von Gummib\u00e4ndern und steckt diese durch eine \u00d6ffnung unter das Hemd, fasst mit der Rechten nach und beginnt &#8211; f\u00fcr den Betrachter nur andeutungsweise sichtbar &#8211; die Gummib\u00e4nder zu verbinden, zu verknoten, was auch immer: Es bleibt dem Blick des Zuschauers verborgen. Der Kopf folgt der Drehung, ist jedoch am aktiven Geschehen unbeteiligt. Dennoch bemerkt man die Anstrengung, die dem Performer das Geschehen bereitet.<\/p>\n<p>Variiert werden im Verlauf des Videos die Drehbewegungen, mal zur Rechten, mal zur Linken, immer mehr Gummib\u00e4nder verschwinden unter dem Hemd, die H\u00e4nde bleiben aktiv damit besch\u00e4ftigt, etwas in Form zu bringen. Verz\u00f6gert, bed\u00e4chtig, langsam sind die Aktionen, es vollzieht sich etwas und bleibt doch unsichtbar. Im Meer der B\u00e4nder entstehen L\u00fccken, kleine Inseln, Aussparungen, die allm\u00e4hlich zu einer weissen Fl\u00e4che anwachsen. Das Ende naht in einer gro\u00dfen Linksdrehung: Der Akteur zieht die Rechte aus dem Hemd, in der Hand einen kleinen Ball, der in der weissen Fl\u00e4che abgelegt wird. Liegen bleibt ein Ball aus Gummib\u00e4ndern und sein Schatten, der Mensch dreht sich zur Seite in die entgegengesetzte Richtung.<\/p>\n<p>Die letzte Einstellung zeigt wieder einen oszillierenden Lichtstreifen auf dunklem Hintergrund, dann pl\u00f6tzlich ein Papier, zerrissen durch den Ballen, vielleicht, ja tats\u00e4chlich.<\/p>\n<p>Soweit das eigentliche Geschehen. Was ist passiert? Zu sehen ist der Ablauf einer k\u00fcnstlerischen Handlung, die Umwandlungsgeschichte von kleinen, flexiblen Materialien zu einem kompakten, plastischen Ganzen, welches tats\u00e4chlich am Ende seine Durchschlagskraft unter Beweis stellt.<\/p>\n<p>Akteur ist der K\u00fcnstler, beobachtet von einem imagin\u00e4ren Betrachter, der einen erh\u00f6hten Standpunkt eingenommen hat. Das Arrangement wird in Echtzeit aufgenommen. Im Lichtkegel pr\u00e4sentiert sich der K\u00fcnstler seinem Beobachter fast vollst\u00e4ndig. Jedoch wirkt er nicht gro\u00dfartig und genial, im Gegenteil eher klein und ein wenig verloren. Die neutral wei\u00dfe Arbeitskleidung erinnert an die Uniform eines fern\u00f6stlichen Kampfsportlers. Doch k\u00e4mpferisch sieht er nicht aus.<\/p>\n<p>Erst im Verlauf der Aktion erschlie\u00dfen sich die wiederkehrenden Bewegungen wie ein Ritual, das einen Ablauf erahnen l\u00e4sst, dessen Ende nicht vorherzusehen ist. Denn eigentlich sieht man nicht, was der K\u00fcnstler tut. Er verbirgt seine Handlungen unter der Kleidung und entzieht sie so den Blicken seiner Zuschauer.<\/p>\n<p>Als Betrachter empfindet man die Anstrengung, die mit dem ganzen Prozess einhergeht. Nichts scheint daran wirklich einfach oder gar m\u00fchelos zu sein. Der Mensch bleibt den Blicken ausgesetzt, nur sein Handeln kann er verstecken. Die eigentliche Arbeit findet im Verborgenen statt.<\/p>\n<p>\u00dcber das Warum kann nur spekuliert werden. Malte L\u00fcck f\u00fchrt seine Zuschauer in den Grenzbereich zwischen Kunst und Leben, dahin wo der K\u00fcnstler dann am Ende doch einsam ist, vereinzelt, im allt\u00e4glichen, unbestimmten Meer der vielen kleinen Gummib\u00e4nder, gefangen in der Vielfalt und den Zw\u00e4ngen seiner Lebenswelt. Er scheint ihr nicht auszuweichen, eher passt er sich an, in gleichm\u00e4ssigen Bewegungen verleibt er sich das Au\u00dfen nach innen ein, ver\u00e4ndert es und bringt es als Produkt wieder nach drau\u00dfen.<\/p>\n<p>Dieses Produkt ist ein Ballen, es entpuppt sich als ephemerer Alltagsgegenstand, zusammengef\u00fcgt aus kleinen Einzelteilen. Entstanden ist ein kompaktes, dreidimensionales Gebilde, dessen Material bleibt wie es ist; es hat eine plastische Verdichtung erfahren, jedoch keine Ver\u00e4nderung seiner Materialit\u00e4t. Die neue Form erlaubt jetzt erweiterte Funktionen; der Ballen er\u00f6ffnet eine kleine Welt neuer Nutzungen: als Spielballen, als Wurf- oder Schleuderballen, als Gummiringaufbewahrungsballen.<\/p>\n<p>Die Zuschauer jedoch verbleiben in der Position der Beobachter. Interaktivit\u00e4t ist ausgeschlossen, da die k\u00fcnstlerische Aktion als solche schon l\u00e4ngst vorbei ist; als Videoaufzeichnung kann sie aber beliebig oft wiederholt werden.<\/p>\n<p>So verdichtet sich das Augenmerk auf das Handeln des K\u00fcnstlers, auf den Prozess seiner k\u00fcnstlerischen Arbeit und weniger auf den hergestellten Gegenstand. Am Ende ist die Aufzeichnung das k\u00fcnstlerische Produkt und nicht der gefertigte Gummiballen.<\/p>\n<p>Die Handlung in Echtzeit hat die Form einer Erz\u00e4hlung. Eingebettet in eine Rahmenhandlung, vom Lichtstreifen zum Wurfball, der ein St\u00fcck Papier zerrei\u00dft, die sich als m\u00f6gliche Erl\u00f6sung andeutet, wird dem Betrachter die Geschichte des Mythos vom K\u00fcnstler erz\u00e4hlt. Unter ganzk\u00f6rperlichem Einsatz ist er mit einem Formprozess besch\u00e4ftigt, der seinen Gegenstand \u00fcber den Umweg der Einverleibung in eine andere Form bringt und diesen wieder nach au\u00dfen entl\u00e4sst, wo er dann nach Belieben zum Gebrauch bereitgestellt ist.<\/p>\n<p>Malte L\u00fcck ist angetreten, etwas zu bewegen: aufnehmen, herumdrehen, verbinden und auswerfen. In vielen seiner Aktionen thematisiert er existentielle menschliche Gef\u00fchlen und Erfahrungen wie Liebe, Tod, Gewalt und Ausgeliefertsein. Er deckt Widerspr\u00fcche auf, soziale und gesellschaftliche Zw\u00e4nge, die Menschen da verorten, wo sie m\u00f6glicherweise gar nicht sein wollen. Kann man mit Reflexion, dem Anspruch auf Selbstverwirklichung und dem Einsatz kreativer Potentiale sich befreien oder einen subjektiven Entwurf voranbringen? L\u00fcck ist es ein Anliegen, nicht nur sich, sondern auch seine Zuschauer davon zu \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p>Die Arbeit benennt er nicht zuf\u00e4llig \u201eballen\u201c. Bewusst hat er das Verb gew\u00e4hlt, um sich aktiv zu positionieren. Als Mensch ist er zwar ungefragt in diese Welt hineingeboren, im Video auf dem Boden liegend auf hunderten von schwarzen Gummib\u00e4ndern, die f\u00fcr gegebene Strukturen, aber auch f\u00fcr ungeordnetes Chaos stehen k\u00f6nnen. Aktiv ver\u00e4ndernd greift der K\u00fcnstler ein und schafft eine Form durch subjektive, spontane Handlungen. Das Verstecken des eigentlichen Vorgangs unter dem weissen Hemd l\u00e4\u00dft sich als notwendiger Selbstschutz des Individuums deuten.<\/p>\n<p>Dabei bringt er etwas Neues, Eigenes hervor er und macht seinem Zuschauer das Angebot, das Geschehen f\u00fcr sich zum Anlass eigenen Erlebens zu machen.<\/p>\n<p>Ros Sachsse-Schadt<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.maltelueck.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/www.maltelueck.de<\/a>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row][vc_column width=&#8220;1\/2&#8243;][vc_single_image media=&#8220;81706&#8243; media_width_percent=&#8220;100&#8243; media_link=&#8220;url:https%3A%2F%2Fvorschau.kunstverein-bad-salzdetfurth.de%2Finhalt%2Fproduct%2Fballen%2F|title:%C2%BBballen%C2%AB||&#8220;][\/vc_column][vc_column width=&#8220;1\/2&#8243;][vc_custom_heading heading_semantic=&#8220;h3&#8243; text_size=&#8220;h3&#8243;]Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen[\/vc_custom_heading][vc_column_text]<strong>\u00bbballen\u00ab<\/strong><br \/>\nMalte L\u00fcck<\/p>\n<p>Kunstverein Bad Salzdetfurth und Galerie Okno, Slubice \/ Polen 2011\/2012<\/p>\n<p>Mit Texten von Ros Sachse-Schadt, Matthias Roller und Malte L\u00fcck<br \/>\nHardcover, 22,5 x 13,5 cm<br \/>\n26. Seiten, 48 Farbabbildungen<br \/>\nund einer DVD (12:30 Min.)[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row]<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>eine Aktion\/Performance mit Installation.<\/p>\n<p>14.05. \u2013 22.05.2011<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":81705,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[186,264],"tags":[],"class_list":["post-81704","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-ausstellung","category-malte-lueck"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kunstverein-bad-salzdetfurth.de\/inhalt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/81704"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kunstverein-bad-salzdetfurth.de\/inhalt\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kunstverein-bad-salzdetfurth.de\/inhalt\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kunstverein-bad-salzdetfurth.de\/inhalt\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kunstverein-bad-salzdetfurth.de\/inhalt\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=81704"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.kunstverein-bad-salzdetfurth.de\/inhalt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/81704\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":82013,"href":"https:\/\/www.kunstverein-bad-salzdetfurth.de\/inhalt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/81704\/revisions\/82013"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kunstverein-bad-salzdetfurth.de\/inhalt\/wp-json\/wp\/v2\/media\/81705"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kunstverein-bad-salzdetfurth.de\/inhalt\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=81704"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kunstverein-bad-salzdetfurth.de\/inhalt\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=81704"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kunstverein-bad-salzdetfurth.de\/inhalt\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=81704"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}