{"id":81583,"date":"2014-07-17T13:03:22","date_gmt":"2014-07-17T12:03:22","guid":{"rendered":"https:\/\/vorschau.kunstverein-bad-salzdetfurth.de\/inhalt\/?p=81583"},"modified":"2019-08-18T12:41:08","modified_gmt":"2019-08-18T11:41:08","slug":"waldeinsamkeit-im-ruebenfeld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kunstverein-bad-salzdetfurth.de\/inhalt\/2014\/07\/17\/waldeinsamkeit-im-ruebenfeld\/","title":{"rendered":"\u00bbWaldeinsamkeit im R\u00fcbenfeld\u00ab"},"content":{"rendered":"<div class=\"wpb-content-wrapper\"><p>[vc_row][vc_column width=&#8220;1\/2&#8243;][vc_gallery el_id=&#8220;gallery-710405&#8243; isotope_mode=&#8220;vertical&#8220; medias=&#8220;81591&#8243; gutter_size=&#8220;5&#8243; media_items=&#8220;media|lightbox|original,caption&#8220; screen_lg=&#8220;1000&#8243; screen_md=&#8220;600&#8243; screen_sm=&#8220;480&#8243; single_text=&#8220;under&#8220; single_width=&#8220;6&#8243; single_overlay_opacity=&#8220;1&#8243; single_padding=&#8220;2&#8243; lbox_caption=&#8220;yes&#8220;][\/vc_column][vc_column width=&#8220;1\/2&#8243;][vc_column_text]Hans-Oiseau Kalkmann<\/p>\n<p><strong>\u201eZelte, Tiere, Wesen, Menschen, H\u00e4user \u2013 immer auch Landschaft, oder:<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u2026 die Welt des Hans Lemmen\u201c<\/strong>[\/vc_column_text][vc_column_text]Dem Werk von Hans Lemmen begegnete ich erstmals im Juni 2012, als ich eine Einladung zu seiner Ausstellung im &gt;Museum Het Domein Sittard&lt; in den H\u00e4nden hielt. Dicke Baumst\u00e4mme waren dort zu sehen, die mich sofort in ihren Bann nahmen, denn ich bereitete gerade die internationale Gruppenausstellung mit dem Titel &gt;WOOD&lt; vor.<\/p>\n<p>Nun, nur zwei Jahre sp\u00e4ter, zeigen wir im Kunstgeb\u00e4ude auf dem Schlosshof in Bodenburg seine Zeichnungen unter dem Titel &gt;WALDEINSAMKEIT (im R\u00fcbenfeld)&lt; bei denen noch immer das Holz eine gro\u00dfe Rolle spielt, was widerspr\u00fcchlicher nicht sein k\u00f6nnte, denn diese beiden Landschaftsformen schlie\u00dfen einander aus, ja sie verdr\u00e4ngen einander \u2013 und das in beide Richtungen.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen also weit zur\u00fcckgehen in den Wald. Tief hinein in einen Raum, in dem unsere Vorfahren, besser noch Vorl\u00e4ufer oder noch treffende Vorkletterer lebten und sich von dem ern\u00e4hrten, was sie vorfanden. Es ist ein voller Raum, angef\u00fcllt mit einer unbeschreiblichen Vielfalt pflanzlichen und tierischen Lebens. Auch ein Klangraum, in dem sich zu den Stimmen der Tiere und dem Knacken der \u00c4ste noch der Wind oder der Sturm hinzugesellt und das Prasseln der Tropfen eines Tropenregens oder in k\u00e4lteren Zonen das Rutschger\u00e4usch und der dumpfe Aufprall herabfallender Schneemassen.<\/p>\n<p>Diese kurze Beschreibung \u201edes Waldes\u201c macht bereits deutlich, dass es \u201eden Wald\u201c gar nicht gibt, dass er nur in unseren K\u00f6pfen und Vorstellungen existiert. Anders betrachtet jedoch kann man sagen, dass es viele W\u00e4lder gibt, beginnend mit dem Urwald, der nat\u00fcrlich in den verschiedenen Klimazonen unterschiedlicher nicht sein k\u00f6nnte, bis hin zu unseren Holz produzierenden Ansammlungen von B\u00e4umen, die noch immer Wald genannt werden. Zur\u00fcckblickend war es ein weiter Weg, den der Mensch machen musste, um vom Wald auf\u00b4s Feld zu gelangen \u2013 dem Zeitgenossen gelingt das schneller, denn der Waldweg m\u00fcndet auf einen Feldweg \u2013 und umgekehrt.<\/p>\n<p>Nun gab es in Deutschland eine Zeit, in der die Menschen den Wald als Hort der Ruhe und des asketischen Lebens romantisch verkl\u00e4rten. M\u00f6nche suchten die WALDEINSAMKEIT und K\u00fcnstler und Schriftsteller betrachteten diesen Naturraum aus unterschiedlichsten Blickwinkeln und beschrieben ihn idealisierend.<\/p>\n<p>Auch den Zeitgenossen Hans Lemmen besch\u00e4ftigt dieses Thema ganz konkret aus der Perspektive seines Lebensraumes, denn er nimmt das Fehlen des Waldes wahr, den das Feld verdr\u00e4ngt hat. Aus der romantischen Waldeinsamkeit wird so seine FELDEINSAMKEIT, die jedoch andere Folgen hat als in der Romantik. Seine Waldeinsamkeit findet er auf dem R\u00fcbenfeld. Aber sie ist bei Weitem nicht das, was der Romantiker fand.<\/p>\n<p>Beide Einsamkeiten basieren allerdings auf einer Gemeinsamkeit, der Natur, der wir ja entspringen und deren Teil wir sind. K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler haben sich schon immer mit dieser Natur befasst und sich deren Darstellung angenommen. Ob es die H\u00f6hlenzeichnungen in Lascaux oder Chauvet sind oder die Felsritzzeichnungen in der Sahara, die in Stein gehauenen Akanthusbl\u00e4tter griechischer oder r\u00f6mischer Tempelbauten oder die floralen Reliefdarstellungen auf den romanischen Kapit\u00e4len christlicher Kirchen \u2013 der &gt;Gr\u00fcne Mann&lt; auf dem Sockel des Bamberger Reiters.<\/p>\n<p>Viele Spielformen der Naturdarstellung wurden so im Laufe der Kunstgeschichte entwickelt und durch andere abgel\u00f6st. Hans Lemmen tr\u00e4gt mit seinen Naturdarstellungen auf sehr eigenwillige Art und Weise zu dieser Entwicklung bei. Das geschieht durch die Integration der menschlichen Figur in seinen Bildraum, der in der Regel nicht die reale Ansicht einer Landschaft widerspiegelt, f\u00fcr uns jedoch schon auf den ersten Blick eine Landschaft in uns aufscheinen l\u00e4sst. Landschaft ist f\u00fcr Hans Lemmen die ihn umgebende Kulturlandschaft. Folglich geh\u00f6ren dazu auch Ger\u00e4te und Architektur.<\/p>\n<p>Und der Mensch?<br \/>\nEr taucht aus dieser Landschaft auf, deren Ackerfurchen auch Meereswellen sein k\u00f6nnten, oder er taucht in sie ein, wird Teil von ihr. Er verschmilzt mit dem Baum, sein K\u00f6rper wird zum Haus, oder zur Wasserlache an der sich verschiedene Tiere laben. Immer wieder tauchen Be\u201cHaus\u201cungen auf. Holzh\u00e4user nat\u00fcrlich, Blockh\u00e4user, Fachwerkh\u00e4user deren Firstbalken eine Wirbels\u00e4ule ist , Ziegelh\u00e4user, H\u00e4user, die schwebend von Ihren Fundamenten abheben oder mit nach unten weisendem Dach an einer Wolke h\u00e4ngen, sowie H\u00e4user auf Schiffen und solche die selbst Schiffe sind.<\/p>\n<p>\u2026auch Zelte<br \/>\nDiese weiche Form der Behausung, an deren Au\u00dfenhaut man die Atembewegungen des darin Schlafenden ablesen kann. Die zu klein sind und somit Kopf und Fu\u00df ungesch\u00fctzt lassen. Kaum ein Auto oder Fahrrad.<\/p>\n<p>\u2026und Tiere<br \/>\nWenn Hans Lemmen seine Arche \u00f6ffnet, entstr\u00f6men ihr Hirsche, deren Geweihe zum Baum werden &#8211; schon wieder das Holz &#8211; und Hunde, die als Albtraum auf der Bettdecke sitzen, manchmal auch selbst schlafen und nat\u00fcrlich bei\u00dfen oder dem Herrchen das St\u00f6ckchen holen.<\/p>\n<p>Besonders aber V\u00f6gel! Solche, die als Schwarm leichtfl\u00fcgelig das Ohr des Meditierenden aufsuchen oder als schwarze Dreiergruppe geduldig auf einen Einsatz warten. Einzelg\u00e4nger auch, die dem freiliegenden Dachfirst die Holzw\u00fcrmer entfernen oder auf dem Dach sitzend den Stiefeltr\u00e4ger beobachten. &gt;Lemmens Tierleben&lt; ist geheimnisvoll, so wie Brehms Tierleben auch \u2013 aber ganz anders, denn da ist immer wieder<\/p>\n<p>\u2026auch die Landschaft<br \/>\nIn ihrer FELDEINSAMKEIT ist sie m\u00f6bliert, dennoch leblos. Trotz der Tiere und H\u00e4user und Menschen, die meistens M\u00e4nner sind, h\u00e4ufig auch kopflos, oder aus den Jahresringen eines Baumstumpfes auftauchend \u2013 erneut das Holz \u2013 vielleicht auch eintauchend und dadurch von kreisenden Wellen umgeben. ER somit also im Mittelpunkt! Auch als Muskelmann \u2013 aber hautlos!<\/p>\n<p>So wie der Wald, der in seiner Abwesenheit im Focus steht \u2013 immer wieder, aber nur die Baumst\u00fcmpfe erinnern noch an ihn. Ein ganzes Feld davon \u2013 wie Setzlinge einer ausgestorbenen Art. Eine Baumgruppe in der Glaskugel. Rundholzstapel. Und immer wieder die arche\u00e4hnlichen Boote. Ja selbst die Arche als gl\u00e4serner Sarg.<\/p>\n<p>Hatte Noah denn Setzlinge an Bord, als die Sintflut \u00fcber die Erde hereinbrach? Wer rettete damals den Wald? Es muss ihn ja schon gegeben haben, vor dem gro\u00dfen Wasser \u2013 f\u00fcr die Arche wurde Holz ben\u00f6tigt, aber danach auch, denn die Kriegsflotten der Griechen und R\u00f6mer waren riesig \u2013 Waldsterben also schon damals \u2013 Versteppung \u2013 auch menschengemacht, wie heute. Agrarsteppen.<\/p>\n<p>\u2026und Wesen<br \/>\nDas Unbekannte. Auch das Tier in mir k\u00f6nnte man sagen. Das Ich im Tier. Das Animalische aus dem wir uns l\u00f6sten und doch weiter in ihm verhaftet sind. Verhaften kann in demokratischen Staaten nur die Polizei. Doch wir sind es auch ohne diese \u2013 unverschuldet sogar. Rundum behaart. Mit Hirsch-, Hasen- oder Hundekopf. Adlerf\u00fc\u00dfig. Gefl\u00fcgelt auch. Ross und Reiter miteinander verschmolzen. Das kannten schon die Griechen und vor ihnen verliehen andere dem Menschen tierische Attribute. Die Sphinx tritt auf &#8211; oder viel, viel fr\u00fcher, der &gt;Vogelmann&lt; in der Hohle von Lascaux. Immer wieder geschah das und es geschieht heute noch.<\/p>\n<p>Valie Export nimmt \u201egassigehend\u201c in Wien Peter Weibel an die Hundeleine. Max Ernst kann in seinem Roman &gt;Une semaine de bont\u00e9&lt; gar nicht aufh\u00f6ren mit dem Vermischen. Auch &gt;Loplop&lt; ist eines seiner Mischwesen. Werner Spies spricht in diesem Zusammenhang vom \u201einneren Gesicht\u201c, dem Hervorbrechen der inneren Bilder \u2013 eigener, wie auch jener aus dem kollektiven Ged\u00e4chtnis. Nicht zu vergessen in diesem Zusammenhang: Louise Bourgeois \u2013 mit &gt;La femme arraign\u00e9e&lt;, Dali und seine &gt;M\u00e9tamorphoses \u00e9rotiques&lt;, oder Picassos &gt;Minotaur&lt;. Ganz aktuell: Yves Netzhammer, der in der Schweiz lebende Zeichner, der sich des modernsten Zeichenger\u00e4ts bedient, des Rechners. Die Reihe lie\u00dfe sich endlos fortsetzen.<\/p>\n<p>Besonders K\u00fcnstler sehen diese Bilder, und so ergeht es auch Hans Lemmen. Leben, das ist f\u00fcr ihn, sich ein Bild davon in Form einer Zeichnung machen, und noch eine, immer wieder. Aus seinen zeichnenden H\u00e4nden flie\u00dfen sie heraus, all jene Realit\u00e4ten und Mischwesen, die er selbst noch nicht kennt und er staunend der Federspitze folgt, die seine Innenwelt sichtbar macht.<br \/>\nEr entl\u00e4sst sie in seine ureigene Waldeinsamkeit auf dem R\u00fcbenfeld. Konfrontiert sie mit der Realit\u00e4t \u201eda drau\u00dfen\u201c. Mit dem Wald, dessen B\u00e4ume nun Masten sind. Deren Rauschen ein anderes ist als im Nadel- oder Laubwald. Nicht Bl\u00e4tter oder Nadeln bewegen sich hier. Elektronen wandern und f\u00fcllen die Luft \u2013 und den Mann \u2013 auch er wieder kopflos.<\/p>\n<p>Nur ein Engel f\u00e4llt k\u00f6rperlos &#8211; zerschnitten vom Rauschen, das den Tanz der Glieder begleitet und dem K\u00fcnstler die Hand f\u00fchrt.[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row]<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Zeichnungen)<\/p>\n<p>Wir bedauern mitteilen zu m\u00fcssen, dass die Ausstellung aus technischen Gr\u00fcnden nicht stattfinden kann.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":81591,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[186,256],"tags":[],"class_list":["post-81583","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-ausstellung","category-hans-lemmen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kunstverein-bad-salzdetfurth.de\/inhalt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/81583"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kunstverein-bad-salzdetfurth.de\/inhalt\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kunstverein-bad-salzdetfurth.de\/inhalt\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kunstverein-bad-salzdetfurth.de\/inhalt\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kunstverein-bad-salzdetfurth.de\/inhalt\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=81583"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.kunstverein-bad-salzdetfurth.de\/inhalt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/81583\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":82055,"href":"https:\/\/www.kunstverein-bad-salzdetfurth.de\/inhalt\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/81583\/revisions\/82055"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kunstverein-bad-salzdetfurth.de\/inhalt\/wp-json\/wp\/v2\/media\/81591"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kunstverein-bad-salzdetfurth.de\/inhalt\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=81583"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kunstverein-bad-salzdetfurth.de\/inhalt\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=81583"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kunstverein-bad-salzdetfurth.de\/inhalt\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=81583"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}