Fotoarbeiten von Ingolf Timpner

18. Okt. bis 15. Nov. 2003
Do 17-20, Sa 15-18, So 11-18 Uhr u.n.V.

Die Fotografie als Möglichkeit künstlerischen Ausdrucks ist inzwischen als Kunstform in der Kunstwissenschaft und auf dem Kunstmarkt nicht mehr wegzudenken. Von der Lochkamera bis hin zu hochauflösenden Digitalkameras reicht das Spektrum der Apparate, mit denen Künstler, Laien und Fachleute ihren Eindruck von Welt wiedergeben. Dabei droht die „Sintflut“ der fotografischen (scheinbar immer wieder gleichen) Bilder die Erde zu überschwemmen. Dennoch gibt es künstlerische Wege, das Medium in noch nicht gesehener Weise einzusetzen.

Einen solchen Weg beschreitet Ingolf Timpner.

Im Gegensatz zu den Trends der Zeit, die vereinfachend mit „immer größer“ und „immer bunter“ oder „immer zufälliger“ beschrieben werden können, setzt Timpner die Schwarz-Weiß-Fotografie für seine Anliegen ein. Bemerkenswert ist der Umstand, dass der Künstler auf ein Sujet der bildenden Kunst zurückgreift, das in der Malerei des 16. und 17. Jahrhunderts in hoher Blüte stand: Das Stillleben. Die Maler dieser Zeit entwickelten aus den Altarbildern des 15. Jahrhunderts heraus die detailfreudige Wiedergabe von realen Alltagsthemen ihres jeweiligen Umfeldes und wurden so zu Chronisten ihrer Zeit, die uns Dinge überlieferten, welche wir sonst nie zu Gesicht bekommen hätten. Die Malerei wandte sich also vom Mythos oder dem Transzendenten und Jenseitigen ab und dem Diesseitige, Realen zu. Dass hier die niederländische Malerei eine hervorragende Rolle spielte, zeigen die vielen Werke dieses Genres aus jener Epoche.

Wie aber ist es möglich, dass ein Künstler des 21. Jahrhunderts auf ein kunsthistorisches Genre zurückgreift, ohne dass er bei diesem Rückgriff stehen bleibt und dem Zeitgenossen den Blick nach vorn verweigert? Timpner zeigt mit seinen Arbeiten, dass die Fotografie in der Lage ist, das Gegenteil der oben beschriebenen Bilderflut mit ihrer Flüchtigkeit zu erreichen. Er fängt nicht das Flüchtige ein, sonder er hält die Zeit fest im minutiös arrangierten und ausgeleuchteten Motiv.

Dabei bietet er dem Betrachter »Realitäten« an, die er verschlüsselt miteinander in Beziehung setzt und sie so arrangiert, dass eine
Interpretation in rationalen Begriffssystemen nicht eindeutig möglich ist. In manchen Fällen verknüpft der Künstler diese realen Objekte, die zuweilen aus einer »Wunderkammer« stammen könnten, mit Personen in portraitähnlicher Position und verschafft dadurch beiden eine zusätzliche Dimension.

Der Kunstverein Bad Salzdetfurth freut sich, als erster Kunstverein
Deutschlands Werke dieses Künstlers der »lautlosen Gegenwart« in einer Einzelausstellung zeigen zu können.

Sie erhalten weitere Informationen über Ingolf Timpner u.a. unter:

http://www.artnet.com/bugdahnundkaimer.html

www.elke-droescher.de